Mittwoch, 13. März 2019

Starke Zunahme der Totfunde von Greifvögeln

... unter Windenergieanlagen im Kreis Paderborn

Bericht von Patrick Büker und Christian Finke im Ornithologischen Sammelbericht für den Kreis Paderborn 2018


Im Jahr 2018 wurden im Kreis Paderborn 18 Funde toter Vögel der Arten Rohrweihe, Rotmilan, Mäusebussard, Wanderfalke, Turmfalke und Kolkrabe unter Windenergieanlagen im Kreis Paderborn zusammengestellt. Die Datengrundlage sind Meldungen von Zufallsfunden an die Plattform der OAG der Biologischen Station, sowie eine Mitteilung der Vogelschutzwarte Brandenburg und die Einlieferung von zwei Vögeln an eine Greifvogel-Auffangstation. Die Funde erfolgten sowohl unter neueren Anlagen als auch unter Altanlagen in sechs verschiedenen Windparks.
Alle unter Windrädern tot aufgefundenen Arten gehören zu den besonders geschützten Arten (BNatSchG § 7, Abs. 2, Nr. 12). Die Greifvogelarten sind darüber hinaus streng geschützte Arten im Sinne von § 7 BNatSchG, Abs. 2, Nr. 13-14 in Verbindung mit Anhang A der Verordnung (EG) Nr. 338/97.



Toter Mäusebussard mit abgetrennter Schwinge im WP Widey, direkt an der Grenze zum Deponiegelände Alte Schanze (Foto GfN, Hubertus Nolte)
Im Fokus der Artenschutzproblematik steht seit Jahren der Rotmilan. Im Naturraum der Paderborner Hochfläche - hier werden über 80 % der Windräder im Kreisgebiet betrieben - treffen knapp 500 Windräder auf ein attraktives Rotmilan-Habitat, das sowohl in der Brutzeit als auch in der nachbrutzeitlichen Schlafplatzphase (JOEST et al. 2013) dicht von Rotmilanen besiedelt ist.



Bedeutender Schlafplatz der Rotmilane: der Eilerberg im Sintfeld, dort wurden 2018 mehr als 150 Individuen gezählt (Foto GfN, Hubertus Nolte)
Der Fund eines toten flügelmarkierten Rotmilans aus Thüringen - das Individuum hat nachweislich bereits im Jahr 2017 am Schlafplatzgeschehen auf der Paderborner Hochfläche teilgenommen - ist Beleg dafür, dass im Kreis Paderborn anthropogene Mortalitätsfaktoren nicht nur auf die lokale Population wirken. Den acht in der Dürr-Liste (Stand 07.01.2019) seit 2009 (erster Fund in einem Windpark bei Altenbeken) dokumentierten Totfunden (einschließlich WP Meerhof 15.08.2018) werden durch die vorliegende Zusammenstellung weitere vier Funde toter Rotmilane hinzugefügt. Zwei weitere gut dokumentierte Funde aus 2016, belegt durch einen Filmbeitrag im WDR vom 03.08.201610 und einen Zeitungsartikel vom 19.01.201711 sind noch nicht in der Dürr-Liste enthalten. In Summe sind also 14 tote Rotmilane seit 2009 bekannt, ohne dass eine systematische Schlagopfersuche stattgefunden hat.
Die Befundlage von 18 toten Vogelindividuen im Jahr 2018 - Zahlen die ja keinesfalls der tatsächlichen Verlustrate entsprechen - legt den Schluss nahe, dass ein Konflikt zwischen dem Ausbau der Windenergie und dem Schutz der genannten Arten bereits im Status Quo besteht. Ein weiterer Ausbau der Windenergie im Kreis Paderborn ohne wirksame Vermeidungsmaßnahmen würde diesen vorhandenen Konflikt deutlich verschärfen.
Der vollständige Bericht kann unter den nachfolgenden Link
https://www.bs-paderborn-senne.de/fileadmin/user_upload/downloads/Sammelbericht_2018_-_web_korr.pdf

der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft der Biostation runtergeladen werden.
Als Beitrag zur Aufklärung eines bis jetzt im Kreis Paderborn erst in Ansätzen dokumentierten Artenschutzkonfliktes mit hoher Relevanz für den Erhalt der lokalen Rotmilan-Population wird zur Meldung von Vogelfunden aufgerufen.

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