Mittwoch, 19. Januar 2022

Ein gräflicher Amtskeller für Fledermäuse in Fürstenberg



 


 

    Ein historischer Gewölbekeller lädt Fledermäuse zum Überwintern ein.

Fürstenberg. Der Ortsname geht auf die im Mittelalter dort erbaute Burg "Vorstenburg" zurück.

Diese wurde  1325 vom Bischof Bernhard V. von Paderborn erbaut. 
Schon 1391 wurde die Burg während einer Fehde zerstört. 1446 wurde sie von den Brüdern und Vettern der
Familie von Westphalen wieder aufgebaut, Bauern wurden in der Nähe angesiedelt und das Dorf entstand. 1776 wurde die Burg abgerissen. Nur ein Turm und einige Keller blieben erhalten. Das Gelände wurde geebnet und von 1776 bis 1783 wurde das Schloss, so wie es heute noch existiert, aufgebaut. Schon vorher entstanden mehrere andere Gebäude im Umfeld des Schlosses. 

Südöstlich des Schlosses, damals noch innerhalb des Schlossparkes, befand sich die Schlossgärtnerei. 

 Auf diesem Gelände stand schon vor 1750 auch das Gebäude der Rentmeisterei, der die Verwaltung der Domänen und der Finanzen unterstand. Auf einem Gemälde von 1758 ist schon das eindrucksvolle Gebäude der Rentmeisterei, zweistöckig mit hohen Räumen und ca. 40m lang, zu sehen. Dieses Gebäude, vielen Fürstenbergern als das  „Gräfliche Amtshaus“ bekannt, brannte am 12.Dezember 1885 nieder und wurde kurz danach abgerissen. Nur die Keller darunter und einige Grundmauern blieben bis heute erhalten. Das Gebäude wurde nicht wieder aufgebaut, die Keller als Vorratslager genutzt. Wann das Gebäude gebaut worden ist, kann nicht gesagt werden. 1848 ist das Archiv der Grafen von Westphalen abgebrannt.

Der Keller ist heute mindestens 270 Jahre alt. Der Eingang zu den drei Kellerräumen wurde in der heutigen Form nach 1950 neu gestaltet.

 Das Gelände der ehemaligen Schlossgärtnerei wird seit einigen Jahren nur noch in geringem Umfang genutzt.

Im Sommer 2019 hatte der Hausmeister, Herr Lücking, am Eingang des kleineren der drei Keller ein Braunes Langohr gefunden und fotografiert. Im Winter 2019/ 2020 war in den Mauerfugen des Gewölbekellers ein winterschlafendes Braunes Langohr gefunden worden. 

                                                                                                                                       
Nachdem im Frühjahr 2020 der Besitzer, Herr Matthias Graf von Westphalen, den nötigen Umbauten und dem langfristigen Erhalt des Kellers zugestimmt hatte, wurde mit den Planungen und der Kostenkalkulation
begonnen. Bedenken, das Umfeld des Kellers könnte zu laut oder zu hell sein, konnten im Frühjahr 2020 ausgeräumt werden. 

 

Die Vereinbarung umfasste im Wesentlichen fünf Punkte:

 

- der Keller wird für mindestens 20 weiterte Jahre erhalten,

- eine Tür, die den Raum von den anderen Kellern trennt, durfte

  eingebaut werden,

- ein Zuflug von außen durch ein Kellerfenster durfte eingebaut werden,

- eine größere Menge Sand zu Speicherung von Feuchtigkeit durfte in    

   den Keller gebracht werden,

- 10 Quartiersteine durften am Kellergewölbe aufgehängt werden.


Mit den Vorbereitungen dazu wurde Ende Februar begonnen. Unbearbeitete Porotonsteine waren noch im Vereinshaus der GfN eingelagert. Alle anderen Materialien und Werkstoffe wurden im Internet und vor Ort besorgt.

Das warme Wetter im März veranlasste die Mitglieder der Gemeinschaft für Naturschutz dann dazu, mit den nötigen Arbeiten schon Ende März zu beginnen. Die Coronapandemie machte das nicht gerade einfacher.

Statt mit einer Gruppe von 4 bis 5 Mann wurden die meisten Arbeiten allein oder nur zu zweit erledigt. Als Erstes mussten die aus Steinen und schweren Eisengestellen erbauten Vorratsregale abgebaut werden. Die Steine wurden an der eingangsseitigen Stirnseite aufgeschichtet und bilden jetzt  zusätzliche Verstecke für Fledermäuse. Die Stahlgestelle konnten in einem der anderen Kellerräume zwischengelagert werden. Unter dem Gewölbe war aus Kunststofffolie und PVC-Rohren eine „Innere Haut" installiert, welche das Tropfwasser zur Seite abgeleitet hat.

Auch das musste abgebaut und weggeschafft werden. Ein Durchbruch in der Stirnwand des Kellers, ein ehemaliges Kellerloch, wurde zugemauert und von der inneren Seite her wurden zusätzliche Verstecke eingesetzt.

Die zum Bau des Kellers verwendeten Kalkbruchsteine sind überwiegend sehr klein, zum Teil von nur geringer Festigkeit und schon stark verwittert. Deshalb konnten die Befestigungen für die Quartiersteine nicht gedübelt werden. In 80 mm tiefe Bohrungen wurde mit Fischer FIS 300 T erst einmal Stockschrauben eingeklebt.

Daran wurden die Gewindestangen geschraubt und mit Hilfe von ausgelaserten Edelstahlplatten und Druckdämpfern aus Silikon die Porotonsteine verschraubt.

Eine besondere Schwierigkeit war es, den Sand einzubringen. Der Sand dient als Feuchtigkeitsspeicher der im Winter, auch wenn durch Frost kein Wasser mehr in den Keller eindringen kann, die Luftfeuchtigkeit stark anhebt. Der Zugang zum Keller ist weit von der Straße entfernt. Mit einem  LKW konnte man nicht bis vor den Keller gelangen.

Der Sand wurde in ca. 25 m Entfernung abgekippt und mit einer Schubkarre bis zum Kellereingang gefahren. Auf die Stufen zum Keller wurden Bretter geschraubt, über die man mit einer nur zum Teil beladenen Schub-   karre vorsichtig herunter fahren konnte. Der Sand, 2,25 Kubikmeter, wurde dann in die Aussparungen im Kellerboden gekippt und gleichmäßig verteilt.

Von dem Kellerfenster wurden die Lochbleche und die linke Scheibe herausgenommen und von außen  eine Einflugplatte davor geschraubt. Innen wie außen erleichtert ein genutetes Brett den Fledermäusen das Ein- und Ausfliegen. Zum Aufhängen der Quartiersteine, für die Scharniere und Griffe an der Tür wurde Edelstahl verwendet. Der rostet nicht, hat eine höhere Festigkeit als verzinktes Eisen und hält nahezu unbegrenzt. Eine Tür wurde eingebaut. Die besteht aus einer mit Epoxidharz beschichteten Siebdruckplatte.

 Die Tür soll den Keller abdunkeln, Geräusche etwas dämmen und vor allem die Feuchtigkeit im Keller halten.

Beendet werden konnten die Arbeiten erst am 6. Dezember 2021 mit der Montage zweiten des Einfluges. Der  führt auf dem Spielplatz des Kindergartens und ist entsprechend gestaltet. Es wurde beobachtet, dass der Boden des Treppenaufganges stellenweise trocken war, die Tür auch, während auf der Kellerinnenseite das Wasser an der Tür herunter floss und die von der Decke herunter tropfenden Wassertropfen tiefe Krater in den Sand geformt hatten.  Bei einer schnellen Kontrolle einiger Steine am 6. 12.  wurden zwei Braune Langohren entdeckt.

Eine exaktere Suche soll im Februar 2022 folgen.

 Alle Werkzeuge und Hilfsmittel stellten die Aktiven der GfN zur Verfügung. Finanziert wurden die Materialien für diesen Keller und auch die für einen ähnlichen Keller in Borchen über die Vereinskasse der GFN.

 Mein besonderer Dank gilt dem Eigentümer Herrn Matthias Graf von Westphalen, der ohne zu zögern sofort den Umbaumaßnahmen zugestimmt hat und dem Hausmeister Herrn Alfons Lücking, der immer zur Stelle war und so den Ausbau erst ermöglicht hat.

Ich danke Herrn Bernhard Nolte für die Recherche zu den historischen Daten, Hubert, der wie immer alle Arbeiten zügig und fachgerecht ausgeführt hat, Christian, Fritz und Ralf die mich wieder tatkräftig unterstützt haben, sowie der Firma Arens, die wieder minutengenau alle Baumaterialien geliefert hat.

 

Dieter Hülshoff, Dezember 2021

Dienstag, 21. Dezember 2021

Eine frohe Weihnacht allen Mitgliedern und Helfern

 


 Wir wünschen Euch für´s nächste Jahr
ein Weihnachten wie´s früher war.
ohne Maske vorm Gesicht,
eine Quarantäne gibt es nicht.

Glühwein trinken, Freunde sehen,
ganz dicht beieinander stehn,
gemeinsam scherzen, fröhlich lachen,
Umarmungen zum Geschenk uns machen.

Herzlich uns die Wangen küssen,
keinen Abstand halten müssen.
Statt desinfizieren, uns die Hände schütteln,
übermütig an Schneebedeckten Zweigen rütteln.

Familie treffen, Freunde sehn,
keiner muß mehr draußen stehn.
Wäre das nicht wunderbar,
Weihnachten wie´s mal war?

von Brigitte Böhnisch aus Bochum


Herzliche Grüße und die besten Wünsche zum Weihnachtsfest und für das neue Jahr!
Euer Vorstand

Freitag, 15. Oktober 2021

Die Jahreshauptversammlung für 2021

 findet diesmal am 16.10.2021 im Stucksaal des Spankenhofs in Bad Wünnenberg statt.

Beginn 14:00 Uhr

Es gilt 3G-Regel

Die Mitglieder wurden schon durch ein persönliches Anschreiben informiert.


Samstag, 11. September 2021

Neuer Beirat nimmt Arbeit auf

Konstituierende Sitzung des Beirats bei der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Paderborn
Am 7. September 2021 fand im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung die erste Sitzung des frisch gewählten Naturschutzbeirats statt. Der Beirat beschäftigt sich mit vielen Fragen und Vorhaben, die mit dem Natur- und Umweltschutz im Kreis Paderborn zusammenhängen. Neben Bauvorhaben sind dieses auch Landschaftspläne, von denen erstmals in einer Wahlperiode mit den Bereichen der Gemeinde Borchen und den Senneanrainern von Hövelhof bis Bad Lippspringe 2 Planungen erstellt werden. Viel Arbeit für den Beirat, der bei anstehenden Entscheidungen des Kreistages in diesen Bereichen anzuhören ist. Der Beirat besitzt zudem ein Vetorecht, so dass bei streitigen Fragen letztendlich die Bezirksregierung zu entscheiden hat. 

v.l: Dr. Lars Schmidt (Hegensdorf) – Franz Mattenklodt (Salzkotten) – Patrick Büker (Borchen)

Mitglieder der GfN im neuen Beirat
Bei der Besetzung des Beirats ist ein fester Verteilungsschlüssel für die verschiedenen Verbände vorgesehen. Hier stellt die Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt NRW (LNU) e.V. mit 3 direkten Vertreten die größte Gruppe, gefolgt von NABU, BUND und der Landwirtschaft mit jeweils 2 Vertretern, alle anderen stellen einen Vertreter. Insgesamt besteht der Beirat aus 16 direkten Vertretern und der gleichen Zahl an stellvertretenden Beiratsmitgliedern.
Vom Kreistag wurden von der von der LNU vorgeschlagenen Vertreterliste nun erstmals 2 direkte Vertreter und ein stellvertretender Vertreter aus den Reihen unserer Naturschutzgemeinschaft gewählt. Der Vorstand der GfN wünscht Lars, Franz und Patrick eine gute Arbeitsaufnahme und viel Erfolg beim Einsatz zum Schutz der Natur vor unserer Haustüre.

Mittwoch, 28. April 2021

Kleine Bäume - große Wirkung

Den Auftakt zur Rettung alter und gefährdeter Obstsorten im Bürener Land machte kurz nach Ostern der Verkehrsverein Grundsteinheim. Mit viel guter Laune und Maschinenunterstützung wurden 15 Obstbäume alter Sorten wie Martens Sämling und Geheimrat Oldenburg in die teils steinige Erde gebracht. Die Wiese am Trafoturm am Ortsrand Grundsteinheim ist im Eigentum der NRW-Stiftung, die Idee von Beginn an unterstützt hat.

Einige der Bäume tragen keine Namen, sondern Nummern. Es handelt sich um eigens hergestellte Veredelungen mit Reisern sehr alter Bäumen aus dem Raum Marsberg. „Die Bäume sind teilweise noch unbestimmt“, so Claudia Schluckebier, die sich seit Jahren für die Rettung des einmaligen Genmaterials dieser robusten Sorten engagiert.

Im Rahmen des von der EU geförderten Projektes „Alt und Gesund“ sollen in den nächsten beiden Jahren noch möglichst viele dieser Sorten-Schätze gehoben und dauerhaft als wertvolles Kulturgut gesichert werden.

 


 

Bild 1: Auf der Wiese unterhalb des Trafoturms hat der Verkehrsverein Grundsteinheim eine Streuobstwiese mit alten Sorten angelegt.

Samstag, 27. Februar 2021

Gellerts Butterbirne gegen Corona-Blues

 Getreu dem Motto „Und würde morgen die Welt...“ (frei nach Martin Luther) haben wir heute an der Musikantenecke – unter Einhaltung aller Vorschriften – zwei Obstbäume gepflanzt. Auf dem vereinseigenen Halbtrockenrasen bei Hegensdorf mussten in den letzten Jahren viele Dornenbüsche weichen, um Platz zu machen für Wacholder, Enzian und Zauneidechse.

Im Herbst konnten dann die letzten Reste des alten Eisenzauns komplett entfernt werden. Zwei Obstbäume robuster alter Sorten runden die Instandsetzung der Wintersaison ab. Der Spaten knirschte mehrfach, bis wir zwei gute Stellen gefunden hatten.

Sobald das Wetter besser und die Stimmung entspannt ist, noch im ersten Halbjahr 2021, werden wir eine Führung zum Kleinod in der Hegensdorfer Flur anbieten, die rechtzeitig unter Aktuelles angekündigt wird.

 


Die Pflanzlöcher wurden dem Fels abgerungen, dann stehen die beiden neuen Hochstämme an der Musikantenecke 

 


Als Starthilfe für den zart besaiteten Baum aus der Lippeniederung gibt’s humose, steinfreie Erde. Pflanzschnitt, Pfahl, Anbindung und Verbissschutz runden die Jugendpflege ab.

Dienstag, 29. Dezember 2020

Ein frohes neues Jahr

 


Haus am Kump – Denkmalschutzarbeiten

Im Zuge des Abrisses und Neubaus des Nachbargebäudes wurden an unserem Haus verschiedene Mängel am Fachwerk der bisher nicht von außen zugänglichen Außenwand festgestellt. In Abstimmung mit der unteren Denkmalbehörde der Stadt Bad Wünnenberg und der LWL Denkmalpflege, Münster, konnten im Zuge des Wiederaufbaus die notwendigsten Arbeiten durchgeführt werden.

Da bereits an einigen Stellen das Fachwerk durch Schädlingsbefall abgängig war, wurde in einem kurzfristig anberaumten Ortstermin mit den Denkmalschutzexperten vereinbart, dass in diesen Bereichen das Schadholz entfernt und durch Ziegelmauerwerk ersetzt wird. Dabei wurden auch die vorhandenen Lehmziegel ersetzt. Das Fachwerk im Giebel wurde verstärkt und komplett zum Nachbarhaus hin mit Holzbrettern verschalt. Zwischen dem Neubau und unserem Haus wurde zudem eine 15-20 cm starke Isolierung aus Steinwolle angebracht.


 

Zu unseren Lasten gingen dabei nur die reinen Sanierungsarbeiten an unserem Haus. Die Arbeiten sind noch nicht angeschlossen, jedoch werden hier nur noch (hoffentlich) kleinere Arbeiten am Dach und den Übergängen im Rahmen der beantragten und genehmigten Maßnahmen stattfinden.

Die bisherigen Kosten konnten durch die veränderte und weniger aufwendige Sanierung etwas verringert werden, so dass wir auch innerhalb des vorgesehenen Budgets die noch vorzunehmenden Arbeiten in 2021 durchführen können. Bisher sind insgesamt knapp 10.000 € investiert worden, von denen 50 % im Rahmen der Denkmalförderung von der Stadt Bad Wünnenberg bzw. dem Land NRW übernommen werden.

Wird sind der Stadtverwaltung und Herrn Brokmann vom LWL Münster für das Zustandekommen der kurzfristig anberaumten Ortstermine und die sehr zügige und kompetente Bearbeitung verbunden mit der damit verbundenen Unterstützung dieser ungeplanten Baumaßnahme unseres Vereins sehr dankbar.

 



 

Ein gräflicher Amtskeller für Fledermäuse in Fürstenberg

         Ein historischer Gewölbekeller lädt Fledermäuse zum Überwintern ein. Fürstenberg. Der Ortsname geht auf die im Mittelalter d...