Sonntag, 23. Juli 2017

Seltene Wiesenweihen brüten erfolgreich in Borchen

Drei Junge sind ausgeflogen, Nistplatz bei Etteln etabliert
In den vergangenen Tagen sind drei junge Wiesenweihen aus dem Nest in einem Kleegrasfeld bei Etteln ausgeflogen. Damit konnten brütende Wiesenweihen hier zwei Jahre in Folge nachgewiesen werden. Auch in den 1990er Jahren brütete diese seltene Greifvogelart schon einmal in dieser Feldflur bei Etteln, berichtet Hubertus Illner, Betreuer des vom Land geförderten westfälischen Weihen-Schutzprogrammes.
Erste Hinweise auf Brutvorkommen in Borchen gab im Vorjahr ein örtlicher Jäger, dem die seltenen Greifvögel in der Ettelner Feldflur schon seit 2013 immer wieder aufgefallen waren. Es ließen sich schließlich sogar 2016 zwei Brutpaare nachweisen, die allerdings aus nicht genau bekannten Gründen keinen Bruterfolg hatten.
In diesem Jahr siedelte sich ein Paar schon recht früh an und begann in einem Kleegrasfeld zu brüten. Zudem konnte noch ein zweites Paar Wiesenweihen beobachtet werden, dass sich ebenfalls in der dortigen Feldflur aufhielt. Der Weihenbeauftragte dokumentierte die Bruten und veranlasste deren Schutz. Örtliche Jäger und Landwirte beteiligten sich an den Schutzmaßnahmen.



Die erfolgreich ausgeflogenen Jungen wurden von Hubertus Illner einige Tage vor dem Ausfliegen beringt. Dazu gehört auch die Anbringung von weißen Farbringen mit jeweils zwei Ziffern, die mit einem guten Fernglas am sitzenden Vogel abgelesen werden können.





Auch das diesjährige Brutmännchen in Etteln trägt einen solchen Farbring, der zeigt, dass es in den Vorjahren in den tieferen Lagen des europäischen Vogelschutzgebietes Hellwegbörde aufgewachsen war.
Wiesenweihen sind in NRW stark gefährdet. Mit nur knapp 20 Brutpaaren in NRW im Jahr 2016 würde die Population in NRW ohne besondere Schutzmaßnahmen sicher nicht überleben, gibt Hubertus Illner zu bedenken. Wiesenweihen brüten bevorzugt in Getreidefeldern. Wenn das Getreide reif ist oder Feldgrasflächen schnittreif sind, sind die jungen Weihen überwiegend noch nicht flugfähig. Ausreichend große Schutzzonen um die Nester werden deshalb in Absprache mit dem Bewirtschafter vor der Ernte markiert und dann von der Erntemaschinen umfahren. Landwirte erhalten für den Ernteausfall eine Entschädigung. Wiesenweihen sind in NRW so selten, dass jeder Verlust ein Rückschlag für den Fortbestand in NRW ist.
Aufgrund der beiden Brutnachweise wurden die Genehmigungen von vier Windkraftanlagen im vergangenen Jahr erst einmal nicht erteilt, denn Wiesenweihen sind durch solche Anlagen gefährdet, insbesondere wenn  diese in Brutplatznähe betrieben werden. Sie können bei den häufigen Flugaktivitäten im hohen Luftraum (Balz, Beutetransport; Abwehr von Flugfeinden,
 Übungsflüge der Jungen) mit den Rotorblättern zusammenstoßen.




Aus Deutschland gibt es schon mehrere Nachweise von Weihen, die durch Windkraftanlagen getötet wurden. Um die Gefährdung durch Windkraftanlagen maßgeblich zu reduzieren, sehen die fachlichen Empfehlungen der Staatlichen Vogelschutzwarten deshalb auch einen Schutzabstand von 1000 Metern vor, den Windanlagen zu den Brutplätzen von Wiesenweihen einhalten sollten.
Durch das erneute, nun auch erfolgreiche Brüten der Wiesenweihe in der Feldflur bei Etteln ist nach der Erfahrung des Weihenbeauftragten die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese streng geschützte Art sich hier auch in den Folgejahren wieder zur Brut ansiedeln wird. Dem hat die Flächennutzungsplanung der Gemeinde Borchen und die Entscheidung des Kreises Paderborn über Windkraftanträge in diesem Raum Rechnung zu tragen.
Fotos: Patrick Büker / GfN e.V.  (weitere Verwendung nur nach Rücksprache möglich)

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